14.05.2012

Ausstellung von Schülerkunst mit dem besonderen Blick

Die Leiterin der Kunst-AG, Maria Grimm, Hubert Gärtner vom Kunstkreis Baindt und Sänger Guido Stellmann bei der Vernissage

Eine Ausstellung mit Schüler-Kunstwerken wurde an der Schule für Blinde und Sehbehinderte Baindt eröffnet: von links bei der Vernissage die Leiterin der Kunst-AG, Maria Grimm, Hubert Gärtner vom Kunstkreis Baindt und Sänger Guido Stellmann. Foto: stiftung st. franziskus heiligenbronn

Baindt.
Unter dem Motto "Der besondere Blick" lud Maria Grimm, Leiterin der Kunst-AG an der Schule für Blinde und Sehbehinderte Baindt, zu einer Vernissage mit Schülerwerken. Zahlreiche Gäste ließen sich am Freitag in der Einrichtung der stiftung st. franziskus heiligenbronn in die besondere Seh- und Ausdruckswelt hineinnehmen und bewunderten auch die vielseitig eingesetzten Techniken.

In der klassenübergreifenden Kunst-AG der Baindter Blindenschule, die Beratungslehrerin Maria Grimm seit über zehn Jahren leitet, sind aktuell vier Schüler im Alter von acht bis 18 Jahren aktiv. Ausgestellt sind in der Cafeteria und im Flur der Blindenschule aber auch in früheren Jahren entstandene Schülerarbeiten, drei im Religionsunterricht entstandene Bilder sowie Werke von Maria Grimm selbst und befreundeten Künstlerinnen.

Die Kunstinteressierten konnten sich mit kreativ bespannten Brillengläsern selbst ein Bild davon machen, mit welchen unterschiedlichen Seheinschränkungen sehbehinderte Menschen leben. Trotz oder dank dieses "besonderen Blicks" entstanden erstaunliche kreative und ausdrucksstarke Werke jenseits des Abbildungscharakters.

Hubert Gärtner vom Kunstkreis Baindt, der die künstlerische Einführung übernahm, sprach vom "inneren Klang der Bilder" und der Freude, die man in diesen Bildern entdecken könne. Die Bilder seien eben nicht vom praktischen Zweck dominiert, was erst die künstlerische Freiheit schaffe. Gärtner verwies auch auf die ungewöhnlichen Techniken, die Maria Grimm mit ihren Schülern anwendet - der Einsatz von Kaffeepulver ist nur ein Beispiel davon. "Verblüffende Einblicke" , so Gärtner, bieten auch verschiebbare Rahmen über einigen Kunstwerken, die eine punktuelle Betrachtungsweise der Bilder wie in den Augen der stark sehbehinderten jungen Künstler selbst schaffen.

Schulleiter Hans Sturm wies die Gäste aus Gemeinde und Region darauf hin, dass der gesamte Erlös der Vernissage aus Bewirtung und Bilderverkauf für die Segelfreizeit der Blindenschule und andere Freizeitunternehmungen verwendet werde und freute sich über die gute Resonanz. Musikalische Beiträge steuerte Mitarbeiter Guido Stellmann an der Gitarre bei, darunter auch in Bezug auf eine Orpheus-Darstellung unter den Bildern das Reinhard-Mey-Lied "Ich wollte wie Orpheus singen".

Maria Grimm, die auch schon Kinder aus Baindt mit in ihre Kunst-AG aufgenommen hat, bedankte sich mit einem Blumenstock bei Hobbymalerin Ursula Holly aus Weingarten, die ihr viele Anregungen gegeben hatte, jetzt aber nicht mehr selbst malen kann. "Die Kinder", sagt Maria Grimm, "kommen immer mehr zu sich, wenn sie am Malen sind." Mit der Ausstellung gehe es ihr vor allem darum, den Schülern Anerkennung zu verschaffen und nicht ihre Defizite in den Vordergrund zu stellen.

Beim Betrachten der Bilder, aber auch bei Kaffee und Kuchen oder Häppchen nutzten die Besucher der Vernissage die Gelegenheit zum Austausch über ihre Eindrücke. Und die Organisatorinnen und zahlreichen Helferinnen konnten sich am Ende über einen Erlös von mehreren hundert Euro für die Schulfreizeiten freuen.