15.07.2013

Berufsschulstufe der Baindter Blindenschule lädt mittwochs zum Schülercafé

Die Berufsschulstufenklasse in ihren weinroten Schürzen mit Cocktails und belegten Weckle in der Hand

Die Berufsschulstufenklasse von Simone Großmann (links) und Edith Angres (rechts) an der Blindenschule Baindt wirft sich mittwochs in Schale, wenn ihre Gäste zum Schülercafé kommen und von ihnen bewirtet werden. Foto: stiftung st. franziskus heiligenbronn

Baindt.
Für die einen ist es eine willkommene Pause im Schulalltag mit originellen Speisen und Getränken, für die andern ist es praktisches Lernen und ganz schön aufregend. Mittwochs organisiert die Berufsschulstufe 2 der Schule für Blinde und Sehbehinderte Baindt ein Schülercafé mit jeweils wechselnden Speiseplänen und ist für alles verantwortlich, von der Ideenfindung bis zum Aufräumen.

Klassenlehrerin Simone Großmann und Heilpädagogin Edith Angres beschreiten mit ihrer achtköpfigen Berufsschulstufenklasse seit diesem Schuljahr andere Wege, was die Vorbereitung aufs Berufsleben und Kompetenzen wie Rechnen, Gestalten und Gespräche führen angeht. Im selbst organisierten Schülercafé können die 19- bis 23-jährigen ihre Stärken individuell einbringen und lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Als erstes entwickeln die Schüler Ideen für die jeweils wechselnde Speisekarte und können darin ihre Vorlieben einbringen. So entschied sich Stefan aus Lindau für ein bayerisches Weißwurstfrühstück, ein ander Mal gibt es ein italienisches Frühstück, Leberkäswecken oder besondere Säfte.

Zur Vorbereitung des Cafés muss dann auch die Speisekarte mit Bildersuche und grafischer Gestaltung am PC erarbeitet werden, bevor sie in der Schule verteilt wird. Die anderen Klassen wie auch der Förder- und Betreuungsbereich werden wechselweise eingeladen, Hauswirtschaft und Verwaltung der Schule sind immer einbezogen, aber auch das Baindter Altenzentrum Selige Irmgard - ebenfalls eine Einrichtung der stiftung st. franziskus heiligenbronn - oder die Eltern und Verwandten der Schüler waren bereits Gäste, was auch sehr gut angenommen wurde.

Zum Wochenbeginn, wenn die Bestellungen eingetroffen sind, geht es ans Berechnen und Vorbereiten entsprechend der Rezepte. Die entsprechenden Mengen werden vorbestellt und eingekauft. Auch das Telefonieren etwa mit dem Metzger will gelernt sein.

Die Cafeteria der Blindenschule wird jeweils von allen dekoriert und eingerichtet. Wenn dann Mittwoch morgens die Gäste kommen, geht es rund für die ganze Klasse. Schüler und Lehrerinnen bedienen, gießen ein, schneiden Brezel auf, unterhalten sich mit den Gästen, räumen ab, putzen die Tische, kassieren und zählen nach, spülen und trocknen ab. Nach einem rotierenden System arbeiten die meisten an allen Stationen. Dazu gehört auch die Arbeitskleidung, ein eigens angefertigtes T-Shirt und eine Schürze. Die drei schwerbehinderten Mädchen der Klasse sind beim Café ebenfalls dabei.

Die Resonanz in der Schule auf dieses besondere Café- und Vesperangebot ist hervorragend. Schulleiter Hans Sturm hat sich noch keinen Termin entgehen lassen. So gut es auch angenommen wird:  bei der regelmäßigen Reflektion der Berufsschulstufenklasse hinterher gibt es auch Kritisches zu besprechen. Der Lerneffekt mit dem Cafébetrieb umfasst auch das persönliche Verhalten. So müssen die Schüler darauf achten, dass sie freundlich sind, deutlich sprechen und sich auch nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Nach den positiven Erfahrungen mit diesem Schülercafé-Angebot wird es auch im nächsten Schuljahr fortgesetzt. Dabei haben Simone Großmann und Edith Angres auch schon die Nachbarn als weitere Zielgruppe im Blick. Auch die Anschaffung einer Registrierkasse mit Münzenzähler soll den Café-Betrieb erleichtern. Zusätzlich zu den Praktika, die während der Berufsschulstufe absolviert werden, ist auch das eigene Café ein reichhaltiges Lernfeld geworden, das den Beteiligten wertvolle Erfahrungen ermöglicht.